|
Erzieher mit Spürnase – Mann neuer Ideen – Apostel der Jugend – Gaukler Gottes – Vater der Verlassenen - Ordensgründer – Missionar – Lausbub bis ans Lebensende … Das alles sind Bezeichnungen, die auf Don Bosco zutreffen.
Biografie: Giovanni Melchiore Bosco wird am 16. August 1815 in Becchi, in der Nähe von Turin/Norditalien, in ärmlichen Verhältnissen geboren. Mit neun Jahren hat Johannes einen Berufungstraum und verfolgt von da an konsequent sein Ziel, Priester zu werden. Im Jahr 1835 tritt er ins Priesterseminar in Chieri ein, studiert Theologie und wird 1841 zum Priester geweiht. Früh zeigt sich seine besondere Fähigkeit im Umgang mit jungen Menschen. Er begeistert sie mit Zaubertricks und Kunststücken für Jesus und den Glauben. In Turin kommt er mit Jugendlichen in Kontakt, die in der Zeit der Industrialisierung von Verwahrlosung, Chancenlosigkeit und Kleinkriminalität bedroht sind. Er setzt sich für diese Armen und Benachteiligten ein und entwickelt dabei seine Pädagogik der Vorsorge. Der persönliche Kontakt mit jedem einzelnen Jugendlichen ist Don Bosco als Seelsorger ein besonderes Anliegen. Der Erziehung von Kindern und Jugendlichen gilt fortan sein Leben. 1846 gründet er in Turin das Oratorium des Hl. Franz von Sales und bietet jungen Menschen damit ein Zuhause: einen Platz zum Lernen, Spielen, Glauben und Leben.
Don Boscos Präventivpädagogik Milde statt Härte, Schlechtes verhüten statt bestrafen: Die Vorstellungen Don Boscos entsprachen nicht gerade dem Zeitgeist des 19. Jahrhunderts. Sein Ziel: aus Jugendlichen „rechtschaffene Bürger und gute Christen“ machen. Dabei setzte er anders als üblich auf einen präventiven Ansatz. Auf Menschen zugehen und sich nicht abschotten, Religionsunterricht lebensnah gestalten, seine Lehren in einfache Worte fassen – diese Ansätze beeindruckten Johannes Bosco. Typisch für ihn: Er verließ sich lieber auf eigene Erfahrungen. „Der Salesianer verkündet die Frohe Botschaft wirksamer durch das, was er tut, als durch das, was er sagt.“ Im Gefängnis in Turin unterrichtete er junge Kriminelle im Katechismus, hielt Predigten und merkte: Wenn er ihnen Geduld, Liebe und Aufmerksamkeit entgegenbringt, kommt das an. Wenn er junge Streuner ein Handwerk lernen lässt, holt er sie dauerhaft von der Straße. Wenn einer kein Interesse an Religion hat, bedrängt er ihn nicht – die Neugierde kommt von selbst. 1859 gründet Don Bosco mit seinen jugendlichen Mitarbeitern den Orden der Salesianer Don Boscos, 1872 gründet er zusammen mit Maria Mazzarello die Don Bosco Schwestern. Ziel beider Vereinigungen blieb die Erziehung und Fürsorge für arme und benachteiligte Jugendliche. Von Anfang an ist für Don Bosco die Zusammenarbeit mit Laien eine grundlegende Selbstverständlichkeit. In seinen Einrichtungen wirken sie als „Salesianer in der Welt“ mitten unter den Jugendlichen. Don Bosco stirbt am 31. Jänner 1888 in Turin und wird 1934 heiliggesprochen. Sein Werk wird heute in aller Welt fortgesetzt.
Don Bosco für uns heute: Jugendliche zu erziehen, ohne sie zu erniedrigen oder zu misshandeln, ihnen Regeln und Moral mit auf den Weg zu geben – das passt in die aktuelle Wertediskussion. An diesen Merkmalen ist jede salesianische Einrichtung zu erkennen. Bis heute haben sie nichts von ihrer Aktualität verloren. Vor allem mit seinem Humor und seiner Offenheit konnte Don Bosco die Herzen der Jugendlichen gewinnen. Wir bewundern seinen tiefen Glauben, seine Gottverbundenheit und seine Art, mit jungen Menschen umzugehen. Seine Freundlichkeit, sein Einfühlungsvermögen und sein Interesse für die Probleme der Jugend sind wegweisend bis heute. Niemals gab er den Glauben an das Gute im Menschen auf, er wirkte nach dem Motto: „In jedem Menschen gibt es einen Punkt, an dem er für das Gute zugänglich ist.“ Don Bosco hat uns eine Lebenshaltung vorgelebt, die für jeden heutigen Menschen wertvoll sein kann. Er war in seinem ganzen Wesen ein positiv eingestellter und außerordentlich fröhlicher Mensch. Die Freude des Lebens kam bei ihm von Herzen und war für ihn auf untrennbare Weise mit dem Gebet verbunden. Er war kein großer Gelehrter und wollte dies auch nicht sein. Er handelte aus seiner Identität als Christ und aus einem resoluten Optimismus heraus. Die Beziehung zur Religion soll bei Don Bosco nicht eine Rekrutierung, sondern die Basis zu einer allumfassenden Sinngebung des Lebens sein. Sie soll den Jugendlichen vermitteln, dass Gott sie bejaht und sie immer lieben wird. Wenn wir dies auf uns und die heutige Zeit übertragen, bedeutet das, dass wir als Missionare mit Mut in diese Welt hinausgehen sollen. „Alles aus Liebe, nichts aus Zwang.“ Wenn wir nach diesem Motto Don Boscos vorgehen, heißt das, dass wir vor allem durch das Leben des Evangeliums in unserem Alltag viel bewirken können. Wir sollen nichts aufdrängen; denn wenn wir in der wahren Liebe leben, strahlt dies automatisch auf die Mitmenschen über. Wir sollen gute Zuhörer und Ansprechpartner sein. Wenn wir mit den Gedanken der Liebe, der Vernunft und der Religion auf Mitmenschen zugehen, wird die Begegnung immer wertvoll sein. Wir sind Missionare, jedoch sollen wir immer die Vernunft im Hinterkopf behalten, welche uns die richtigen Momente für Handlungen und Worte aufzeigt. Die Grundidee Don Boscos war der Wunsch, Jesus in seiner Liebe nachzufolgen, seine Liebe weiterzuschenken und die Jugendlichen Gott näherzubringen. Dazu verwendete er folgendes Schema: Zu Beginn seiner karitativen Tätigkeit suchte Don Bosco die Jugendlichen an ihren Treffpunkten auf, sprach und spielte mit ihnen und lud sie zu sich ein. Er wollte zuerst auf sie eingehen und ihr Vertrauen gewinnen. Er wollte ihnen zeigen, dass jemand wirklich an ihnen interessiert ist und ihnen helfen möchte. Erst wenn dieser Schritt geschehen war, konnte er ihnen von der Liebe Gottes erzählen, denn erst dann waren sie bereit dazu. Dies könnte ein Schema sein, wie wir heute auf Jugendliche, die nichts mit der Kirche zu tun haben wollen, zugehen können. Begleiten wir unsere Mission im Sinne Don Boscos auch mit dem täglichen Gebet, ohne welches vieles nicht geschehen kann. Seien wir also im Sinne Don Boscos auch wirkliches Salz dieser Erde und hell scheinende Lichter in dieser Welt für unsere Mitmenschen. Manchmal muss man gar nicht viel dafür tun, die kleinen Gesten im Alltag bewirken mit der Hilfe Gottes viel mehr als wir glauben. Zum Schluss noch ein Rat Don Boscos: „Das Beste, was wir auf der Welt tun können, ist: Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen.“
DIrmgard-Maria Vogl
|