Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2019/05

Die Eisheiligen

Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bevor Sophie vorüber ist.

Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie – wer kennt dieses Heiligenquartett nicht!

Was aber eint die vier Heiligen? Was verbindet einen jungen Römer aus Phrygien, einen Bischof im heutigen Belgien, einen weiteren Römer, der in jungen Jahren nach Tarsus reist, und eine christliche Frau in Rom? Bei dreien von ihnen ist es ihr Martyrium während der Christenverfolgungen des 4. Jahrhunderts. Was über alle vier erzählt wird, beruht aber zum größten Teil auf Legenden. Ein verbindendes Element ist ein durchaus schlichtes: Die Festtage der Heiligen reihen sich, mitten im Frühling, aneinander - vom 12. bis zum 15. Mai. Und alle zusammen werden im Volksmund seit Menschengedenken als Eisheilige bezeichnet.

Pankratius ( 304) wird als Sohn vornehmer Römer in Kleinasien geboren. Nach dem frühen Tod sei-ner Eltern kommt er mit seinem Onkel nach Rom. Während der Christenverfolgung unter Diokletian unterstützt er mit dem ererbten Vermögen heimlich die Not der Christen, er empfängt die Taufe, weigert sich, dem christlichen Glauben abzuschwören und wird - kaum 14 Jahre alt - enthauptet.

Servatius von Tongern ( 384) ist geschichtlich fassbar. Er stammt vermutlich aus einer in Armenien lebenden jüdischen Familie, wird Christ und Anhänger des hl. Athanasius und damit entschiedener Gegner des Arianismus. Um 345 wird er erster bezeugter Bischof von Tongern (bei Lüttich in Belgien), er nimmt an mehreren Konzilien teil. Er stirbt in Maastricht (Niederlande) und wird ab dem 5. Jahrhundert als Heiliger verehrt. Sein Grab in der Servatiuskirche von Maastricht ist bis heute ein bedeutendes Wallfahrtsziel.

Bonifatius von Tarsus ( um 306), wird - noch nicht Christ - von einer Römerin nach Tarsus (Kleinasien) geschickt, um dort Reliquien christlicher Märtyrer zu erwerben. In Tarsus erlebt er Folterungen und Tötungen von Christen. Unter diesem Eindruck lässt er sich taufen, bekennt den christlichen Glauben öffentlich und erleidet das Martyrium durch siedendes Pech. Seinen Namen nahm im 8. Jahrhundert der aus England stammende Winfrid an, der als Missionar wirkte und „Apostel der Deutschen“ genannt wird.

Sophia von Rom ( um 305) ist nach einer Überlieferung eine christliche Jungfrau und stirbt, wie Pankratius, während der diokletianischen Christenverfolgung als Märtyrerin in Rom. Diese Legende wird mit der einer anderen Sophia verwoben, jener der Sophia von Mailand. Handelt es sich um ein- und dieselbe Person? Man weiß es nicht. Sophia von Mailand ist eine fromme Witwe, sie reist mit ihren drei Töchtern nach Rom, alle erleiden dort den Märtyrertod. Die Töchter führen die Namen Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Liebe), das entspricht den drei höchsten theologischen Tugenden. Sie sind Töchter der göttlichen Weisheit (= Sophia). Eine Legende voller Symbolik, die an die bekannte Botschaft des Apostels Paulus im ersten Korintherbrief anknüpft: Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe (1 Kor, 13, 13).

Aber warum Eisheilige? Mitte Mai gibt es häufig noch Kälteeinfälle, die besonders von den Bauern gefürchtet werden. Darauf beruht wohl die Volkstradition der „Eismänner“ und der „kalten Sophie“ samt den zahlreichen Bauernregeln, die es dazu gibt. Mit der seit Jahren zu beobachtenden Erhöhung der Durchschnittstemperaturen in Mitteleuropa treten die Maifröste vielleicht seltener auf, aber die Volkstradition der Eisheiligen wird uns wohl noch länger begleiten.

Dr. Heinz Steiberger

Literatur:
Ökumenisches Heiligenlexikon (www.heiligenlexikon.de)
Erhard Gorys, Lexikon der Heiligen (dtv)
Lexikon für Theologie und Kirche (Herder)
Abbildung: © M.H. Olbertz, Image, Eisheilig