Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2019/04

Der letzte Weg Jesu in Jerusalem

nachgegangen von der Pilgergruppe der Pfarre St. Paul im Februar 2019

Auf der VIA DOLOROSA (lat. Der schmerzhafte Weg, Leidensweg) in der Altstadt von Jerusalem zu gehen, ist ein beeindruckendes Erlebnis.

Der Kreuzweg führt seit der Kreuzfahrerzeit auf mehreren Straßen vom Löwentor (oder Stephanstor) bis hin zur Grabeskirche.

Das Straßenschild weist diesen Weg in drei Sprachen aus: in hebräischer (= jüdische Religion), in arabischer (= muslimische Religion) und in lateinischer (= christliche Kirchen).

Damit wird sichtbar, wie eng die drei großen Weltreligionen miteinander leben (müssen). Großteils gelingt dieses Miteinander auch. Wenn wir im Abendland etwas mitbekommen, dann nur, wenn etwas passiert. Wie deutlich tritt hier die recht einseitige Wahrnehmung ans Licht, die meistens nur negative Schlagzeilen registriert.

Liturgisch wird jeden Freitag um 15 Uhr von den Franziskanern dieser Weg als Kreuzweg mit einer großen Pilgergruppe durch die belebte Altstadt gegangen. Das Gebet des Kreuzweges geschieht also nicht in ruhiger Kapelle, sondern inmitten des gewöhnlichen Alltags. Damit wird der Kreuzweg Jesu realistischer und lebensnaher.

An den Hausmauern werden mit lateinischen Ziffern die einzelnen der vierzehn Kreuzwegstationen angezeigt. Klar, dass vom Kreuzweg Jesu damals heute nur mehr spärlich etwas sichtbar ist. Viele Zerstörungen und Erdbeben haben die Stadt und das Straßenniveau verändert. Gleich geblieben ist jedoch die Erinnerung an dieses dramatische Ereignis von damals.

Der Kreuzweg Jesu lässt eine Vielfalt von Deutungen zu.

Bei C. G. Jung findet sich eine Deutung in vier Schritten:

1. Annehmen:
Jesus nimmt das ungerechte Urteil an - Verurteilungskapelle

2. Loslassen:
Jesus begegnet am Weg vielen vertrauten Menschen - Abschied

3. Einswerden:
Jesus übergibt sein Lebensschicksal in die Hände Gottes – und betet: „Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.“

4. Neuwerden:
Auferstehung Jesu – auf neue Weise ist Jesus den Seinen nahe

Über dem Felsen Golgotha wurde die Kreuzigungskapelle errichtet. Direkt unter dem Altar kann man durch eine Öffnung den Felsen berühren.

In der Rotunde der Grabeskirche wurde die Ädikula (historischer Bauteil) über dem Grab Christi errichtet. Heute wird sie als Kapelle genutzt.

Die Karwoche lädt wiederum ein, den Kreuzweg Jesu innerlich zu vollziehen.

Ich lade Sie ein, die Tage der Karwoche mit den liturgischen Feiern in der Pfarre mitzugehen. (siehe Gottesdienstplan)

Die 14 Stationen des Kreuzweges sind eine Hilfe, diesen Weg gedanklich mit Betrachtungen, Liedern und Gebeten zu gehen.

Allen ein gnadenvolles Osterfest und viel Freude vom auferstandenen Herrn Jesus wünscht Ihnen zusammen mit dem gesamten Pfarrteam
Ihr Pfr. Anton Hofmarcher