Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2019/01

Beten macht die Seele stark

Trost finden, Danke sagen, mit Gott im Gespräch bleiben – es gibt viele Gründe zu beten. Doch passt Beten überhaupt noch in die heutige Zeit?

Ob im Alltag, in Zeiten des Glücks, der Sorge oder der Angst: Durch Gebete fühlt man sich aufgehoben, zugehörig und sicher.

Festgelegte Texte, wie es sie im Gottesdienst und im Privaten etwa vor einer Mahlzeit oder nach dem Aufwachen gibt, helfen, wenn einem die eigenen Worte fehlen. Und wenn sie mit anderen gesprochen werden, stärkt das die Gemeinschaft und die eigene Zuversicht, ganz gleich ob beim Vaterunser in der Kirche oder beim Tischgebet zuhause. Und ähnlich wie beim Tagebuch-Schreiben schafft das freie Gebet Klarheit in den Gedanken.

Der Opern- und Musical-Star Anna Maria Kaufmann (54) ist gläubige Katholikin. Sie tankt beim Beten Kraft. „Beten ist ein Teil von mir. Es stärkt meinen Glauben, die Verbindung zu Gott. Gibt mir das Gefühl, zu Hause zu sein – egal, wo ich auf der Welt bin. Um in mein stilles Gebet zu versinken, brauche ich keine bestimmte Umgebung, ich komme überall mit Gott in Kontakt: in der Natur, zu Hause, aber auch in meiner Garderobe. Denn ich bete, bevor ich auf die Bühne gehe. Öffne mich für Gott, damit ich für das Publikum mein Bestes geben kann. Ich glaube, dass Gott mich dann inspiriert. Für meine Gebete nehme ich mir ganz bewusst Zeit, falte meine Hände und schließe die Augen. Abends, vor dem Schlafengehen, knie ich vor dem Bett zum Beten nieder. Oft fange ich mit traditionellen Gebeten an, etwa dem Vater unser, weil man es sprechen, aber auch mal laut singen kann und weil es direkt das Herz berührt. Dann spreche ich mit meinen eigenen Worten zu Gott. Inzwischen schreibe ich auch immer mehr Liedtexte selbst, die wie Gebete sind. Auch dadurch komme ich in Verbindung zu Gott.“

Beten ändert die Beterinnen und Beter

Genauer: Das beharrliche Gebet. Der Verfasser des Kolosserbriefes weiß, wie so viele andere Menschen, dass das Gebet leider kein Selbstläufer ist. Gebete, so erlebe auch ich es, verändern in der Regel nicht auf einmal die Situation. Und der Briefschreiber will wohl auch meiner Frustration vorgreifen, indem er appelliert: „Hör nicht auf, der Kraft deiner Gebete zu vertrauen, auch wenn dein Gebet nicht so in Erfüllung geht, wie du es dir erwartest. Bete weiter. Zeig Gott und dir selbst damit, dass du an einen Ausweg glaubst.“

Und ja – es gehört zu meiner Erfahrung, dass mich manches Gebet auch verändert hat.

Betende können neue Wege entdecken, weil man sich betend selbst verändert und weil Gott Menschen verändert, wenn sie beten. Beten verändert das Bewusstsein, den Blick auf die Welt und vielleicht auch das Vertrauen darauf, dass ich mich mit mancher Not und Sorge nicht abfinden muss. Dass es immer wieder eine Wende zum Guten geben kann. Beten gibt auch Kraft, die Dinge anzugehen, die ich selber verändern kann.

Jesus selbst hat einmal gesagt:

„Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum macht es nicht wie sie. Denn euer Vater weiß, was ihr nötig habt, bevor ihr ihn bittet." (Mt 6,7f)

Das Gebet ist gesund für die Seele. Und es wird immer wieder in medizinischen Studien behauptet, dass das Gebet auch gesund sei für den ganzen Menschen. Regelmäßiges Beten entspannt, fördert die innere Ruhe und Konzentration und stärkt das Immunsystem und die eigenen Heilkräfte.

Ich glaube, es kommt tatsächlich nicht so darauf an, wie man betet. Ob öffentlich oder im Stillen. Ob in klassischer Gebetshaltung oder mit einem schnellen Stoßgebet zum Himmel. Das ist meine Erfahrung: Es kommt nicht darauf an, ob man die richtigen Worte findet, oder ob es mehr ein unvollständiges Stammeln ist oder ob ich mir andere Worte leihe, wie die des Vaterunsers. Nein, es kommt darauf an, dass ich mit Gott in Verbindung bleibe. Ohne Form und Leistungsdruck. Es gibt kein falsches Gebet. Darauf vertraue ich. „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet" (Psalm 66,20)

Irmgard Maria Vogl