Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/12

"Stille Nacht! Heilige Nacht!" feiert Geburtstag - Gedanken zum Jubiläum

Dieses berühmte Weihnachtslied ist in der ganzen Welt verbreitet, hat jedoch seinen Ursprung in Salzburg. Die Melodie stammt von Lehrer Franz Xaver Gruber, der Text von Pfarrer Joseph Mohr, die beide in Oberndorf wirkten. Gesungen wurde das Lied zum ersten Mal in der Christmette des Jahres 1818. Im (neuen) Gotteslob finden sich zwei Versionen: die Originalfassung unter der Nummer 803 im Österreichteil des Gotteslobes, aber auch die bekannte und weit verbreitete Fassung unter der Nummer 249.

Die Melodie des Liedes ist in seiner Einfachheit bestechend schön, die jeden Menschen berührt. Es wird in der Gefängniszelle gesungen oder in der behaglichen Stube unter dem Christbaum, in den großen Domen feierlich vorgetragen, in den Musikzimmern zigmal geübt und in den Kaufhäusern besonders in der Adventzeit - die zur Vorweihnachtszeit verkommen ist - rauf und runter gespielt.

Im Liedtext wird die Botschaft von der Geburt Christi thematisiert. Jede Strophe beginnt mit „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ Jede Nacht ist still – so hoffen wir – und das ist noch nichts Betonenswertes. Allerdings wird durch den Zusatz „heilige“ Nacht diese Nacht zu einer besonderen Nacht. Genau darin ist der Schlüssel versteckt, um das Geschehen von Weihnachten zu entdecken.

In der Nacht schlafen die Menschen. In der „Heiligen Nacht“ jedoch geschieht noch etwas Besonderes. Es wacht ein „trautes Paar“ über seinem neugeborenen Kind, dem „lieblichen Knaben mit lockigem Haar“ (2. Strophe). Erst in der dritten Strophe (in der Originalfassung die letzte Strophe) wird deutlich, um welches Kind es sich hier handelt. Den Engeln kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Mit ihrem Gesang künden sie uns das rettende Geschehen, das von Gott kommt. Inhaltlich folgt es dem Weihnachtsevangelium des Evangelisten Lukas.

Was sangen die Engel? „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“ Gott gebührt die Ehre. Und Gott ist der in der Höhe! Keiner von den Menschen, auch nicht ein Kaiser Augustus, der sich der Göttliche rufen lässt. Dem Gott, der in der Höhe thront, gilt der Gesang.

Dadurch, dass Gott den Platz einnimmt, der ihm gehört, kommt Friede auf die Erde. Friede ist eine große Sehnsucht des Menschen. Mit „Frieden“ verbinden wir Ruhe oder Stille in einer verschneiten Winterlandschaft. Aber es ist ein Friede, der auf die Erde gekommen ist. Ein Friede, der die Gegenwart erfüllt, der die Menschen erfasst und ein neues Miteinander ermöglicht.

„Jesus, der Retter, ist da“. Diese christliche Botschaft breitet sich aus seit über 2000 Jahren - wie unser Weihnachtslied, das seit 200 Jahren die Welt umkreist.

Unter den Menschen gibt es immer Sorgen, Leid, Ängste und Not. Die Welt kennt Krieg und Verfolgung und kommt nicht davon los. ABER von Gott kommt das Licht. Von Gott kommen Friede und Heilung. Das ist christliche Hoffnung, die leben lässt.

Historisch betrachtet hatte Napoleon viele Länder Europas erobert. 1805 war er in Salzburg. Erst im Wiener Kongress 1814 - 1815 wurden die Staatsgrenzen festgelegt. In dieser Zeit der politischen Unsicherheiten war es dem Pfarrer Joseph Mohr wichtig zu betonen: „Jesus, der Retter, ist da.“ Der eigentliche Friede kommt aus dem Glauben an Gott. Im Vertrauen zu Jesus wird der Friede einem jeden Menschen neu geschenkt.

Die Botschaft von Weihnachten ist immer aktuell, auch heute und im Jahr 2019: Dort, wo Menschen von diesem Frieden erfüllt sind, werden sie selber, wenn auch nur bruchstückhaft, zu Botinnen und Boten des Friedens.

Ein friedvolles Weihnachtsfest wünscht Ihnen Ihr Pfarrer


Ochs und Esel an der Krippe

Die Weihnachtskrippe ist uns seit Kindheit vertraut. Wir finden sie in Kirchen, sie wird von Familien daheim aufgestellt und auch (im Dienst des Kommerzes) in Kaufhäusern und auf Christkindlmärkten gezeigt. Wir kennen auch das „Personal“: Engel, Maria und Josef, das Kind in der Krippe, Hirten, die Weisen aus dem Morgenland - und: Ochs und Esel. Diese zwei gehören zum ältesten Bestand der Darstellungen der Weihnachtsgeschichte. Aus der Frühzeit des Christentums sind Beispiele bekannt, in denen außer dem Kind in der Krippe nur die genannten Tiere gezeigt werden, z.B. auf der Schmalseite eines Sarkophags aus der Zeit um 385 n.Chr., die heute in die Kanzel der Basilika Sant’Ambrogio in Mailand eingefügt ist.

Wie aber kommen die Tiere zu ihrer prominenten, ja bevorzugten Stelle in der Weihnachtsgeschichte? Wer meint, die Antwort sei in den Evangelien zu finden, irrt.

Von den vier Evangelisten schreibt nur Lukas ausführlicher über das Ereignis von Bethlehem und erwähnt zuerst die Krippe, in die Maria das Kind legte, weil in der Herberge kein Platz war (Lk 2, 7). Und der Engel, der den Hirten die große Freude verkündete, sagte ihnen, sie werden das Kind in der Krippe finden, was dann auch zutraf (Lk 2, 12 und 16). Aber kein Wort von Ochs und Esel!

Die Antwort auf unsere Frage geben schon frühchristliche Schriftsteller, als erster Origines (185-253). Ausgehend von der bei Lukas genannten Krippe wird ein Bezug zu einem Wort des Propheten Jesaja hergestellt: Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht (Jes 1,3). Die Tiere haben somit mehr Einsicht als Israel, wobei wir anstelle dieses Volkes heute die Menschen überhaupt setzen müssen, für die das göttliche Kind in die Welt gekommen ist. Das war den Schöpfern frühchristlicher Kunstwerke offenbar so einsichtig, dass sie Ochs und Esel an die Krippe gestellt haben, auch noch vor den übrigen Beteiligten. Die Einbeziehung der beiden Tiere in die Darstellung der Weihnachtsgeschichte wurde in den folgenden Jahrhunderten beibehalten. Dazu hat auch ein Anfang des 7. Jahrhunderts entstandenes apokryphes (= nicht anerkanntes) Evangelium beigetragen, das sog. Pseudo-Matthäus-Evangelium. Dort heißt es im 14. Kapitel: Maria legte den Knaben in eine Krippe und ein Ochse und ein Esel beteten ihn an. Da ging in Erfüllung, was durch den Propheten Jesaja gesagt wurde …“. Ein bekanntes und weit verbreitetes Volksbuch aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, die Legenda aurea (Goldene Legende), übernahm diesen Bericht, der die Bildinhalte in der mittelalterlichen und späteren Kunst entscheidend beeinflusste. Ochs und Esel begegnen uns daher in der bildlichen Darstellung der Weihnachtserzählung bis heute.

Heinz Steiberger

Verwendete Behelfe:
WIKIPEDIA (Stichwörter „Ochs und Esel“ und „Pseudo-Matthäus“)
www.bibelwerk.de (Stichwort „Ausgerechnet Ochs und Esel…“)
Lexikon für Theologie und Kirche (Stichwort „Geburt Christi V.“)
Abbildung: Wikimedia Commons (G.Dall’Orto)