Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/11

Die Hl. Cäcilia - Patronin der Kirchenmusik

„Vielleicht ist keine Schutzpatronin in der Welt zu ihrem Amt unschuldiger gekommen als Cäcilia, die der heiligen Tonkunst. Sie kam dazu, weil sie auf die Musik nicht achtete, ihre Gedanken davon abwandte und, mit etwas Höherem beschäftigt, sich von ihren Reizen nicht verführen ließ.“

So schrieb der Theologe, Kulturphilosoph und Dichter Johann Gottfried Herder in seinem 1793 erschienenen Aufsatz Cäcilia. Lesen wir richtig? Sie „achtete nicht auf die Musik“? Warum kennen wir dann Cäcilia als Patronin der Kirchenmusik? Warum ist sie in unzähligen Kunstwerken nahezu immer mit einem Musikinstrument, mit einer Orgel, einem Saiteninstrument dargestellt? So auf einem Deckengemälde über der Orgelempore in Krems-St.Veit und in einem Bild in der Kremser Piaristenkirche, beides Werke von Martin Johann Schmidt.

Die Antwort gibt uns die im 5. Jahrhundert entstandene Geschichte des Leidens der Hl. Cäcilia und die Beobachtung, wie mit dieser Legende später verfahren wurde. Cäcilia wurde demnach um 200 n.Chr. als Tochter einer vornehmen Familie in Rom geboren. Sie wurde Christin und beschloss, sich ganz Christus zu widmen und jungfräulich zu leben. Ihre Eltern suchten jedoch einen Ehemann für sie, den sie in einem Mann namens Valerianus fanden. Diesem teilte Cäcilia ihren Entschluss mit, er respektierte ihn, bestärkt durch einen Engel. Valerianus und sein Bruder Tiburtius wurden ebenfalls Christen. Cäcilia erlitt um 230 den Märtyrertod, weil sie ihre Dienerschaft zum Christentum bekehrt hatte, die beiden Männer, weil sie hingerichtete Christen bestattet hatten.

In der Legende ist bei der Beschreibung der Hochzeit ein Schlüsselsatz enthalten, der in Übersetzung lautet: „Während die Instrumente erklangen (für Lateiner: cantantibus organis), sang sie in ihrem Herzen allein dem Herrn und sprach, ihr Herz und ihr Leib mögen unbefleckt bleiben.“ Cäcilia distanziert sich also innerlich von der Musik, sie lässt sich von ihr nicht ablenken, sie wendet sich im Herzen mit ihrer Bitte nur an den Herrn. Da ist es schon eigenartig, dass Cäcilia zur Patronin der Kirchenmusik wurde. Warum? Als im 8. Jahrhundert Cäcilia als Heilige in den Messkanon aufgenommen wurde (Festtag: 22. November), übernahm man den zitierten Satz in verkürzter Form, teils soweit, dass die Worte in ihrem Herzen fehlten. Der im Original ersichtliche Gegensatz – hier die Hochzeitsmusik, dort die Worte Cäcilias in ihrem Herzen – kam nicht zum Ausdruck. Das hatte zur Folge, dass im Verlauf der Zeit in Abweichung von der Darstellung in ihrer Legende eine besondere Nähe Cäcilias zur Musik angenommen wurde. Ab dem 14. Jahrhundert fand dies auch in der Kunst seinen Niederschlag. Es hieß sogar, dass sie bei ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt, ja die Orgel erfunden habe.

Die Antwort auf unsere Frage lautet daher: Das Patronat der Hl. Cäcilia geht auf einen schlampigen sprachlichen Umgang mit der Geschichte des Leidens der Heiligen Cäcilia aus dem 5. Jahrhundert zurück.

Das soll uns aber die Freude an der Kirchenmusik und dem Patronat der Heiligen nicht nehmen! Erfreuen wir uns weiter an den Werken der bildenden Kunst, die sie uns an der Orgel oder mit anderen Musikinstrumenten zeigen, und an Werken der Kirchenmusik, die ihr zu Ehren aufgeführt werden.

Der Leichnam der Heiligen wurde nach dem Martyrium in die Calixtus-Katakomben an der Via Appia in Rom gebracht. Im 9. Jahrhundert wurde er unversehrt geborgen und in der Basilika Santa Cecilia in Trastevere beigesetzt. Diese Basilika wurde an der überlieferten Stelle ihres Geburtshauses errichtet.

Heinz Steiberger

Literatur:
Ökumenisches Heiligenlexikon (www.heiligenlexikon.de)
home.mnet-online.de/kirchenmusikinbenediktbeuren/caecilia
J.G.Herder, Cäcilia in Zerstreute Blätter, Gotha 1793 (Wikisource)
Volker Scherliess, Von der Märtyrerin zur Heiligen der Tonkunst – die hl Cäcilia
(in: Ausstellungskatalog des KHM Musik in der Malerei, Wien 2001)
Abbildungen: Ökumenisches Heiligenlexikon (1, 2), Wikipedia Commons (3)