Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/09

Bitte - Danke - Entschuldigung

Ungetrübter Urlaub im von mir heißgeliebten Ausseerland – nicht ganz. Vermehrt dringen in den letzten Jahren unliebsame persönliche Erfahrungen in mein Bewusstsein. Was ist passiert?

Bei unseren häufigen Wanderungen um den Altausseer See setzen sich Beobachtungen aus dem urbanen Raum fort: Was in der Stadt der Gehsteig, ist hier der schmale Wanderweg. An Stelle eines freundlichen Lächelns, eines herzlichen „Griaß enk!“ (das man hier aber gottlob noch immer oft hört), eines saloppen „Hallo!“ tritt auch in der ländlichen Idylle zunehmend ein Wandel im Umgang miteinander ein. Klar, dass in diesem heißen Sommer viele Menschen am Wasser unterwegs sind. Aber wenn sie uns zu dritt, ja sogar zu viert ungeniert nebeneinander entgegenkommen – in der „Mir-san-mir-Mentalität“, während mein Mann und ich ohnehin schon hintereinander gehen und dann noch gezwungen werden, auf die Böschung auszuweichen, beginnt man zu überlegen: „Ist das die Basis für ein gedeihliches Miteinander?“ Wenn junge Mütter mit ihren Kinderwägen sich nicht von einem ausgiebigen Tratsch abhalten lassen, obwohl sie den ganzen Weg blockieren, oder Radfahrer aller Altersgruppen rücksichtslos in die Pedale treten, teilweise Fahrverbote überhaupt ignorieren, um als Erste die Badeplätze zu okkupieren, versucht man die Ursachen zu hinterfragen: Warum agieren Menschen so? Ist das pure Gedankenlosigkeit, bewusste Absicht, Ignoranz, sich an Regeln zu halten, oder reiner Egoismus, der die Menschen antreibt? Wo bleiben Rücksichtnahme, Höflichkeit, das respektvolle Miteinander? Ist das nicht mehr zeitgemäß? Ähnliche Beispiele gibt es bei Hundehaltern. Klar ist das Gebiet ein Paradies für die Vierbeiner. Es gibt aber viele, die sich partout nicht um Leinen- bzw. Beißkorbpflicht kümmern, ihre Hunde unmittelbar neben den Badenden ins Wasser schicken. Wenn man Leute höflich darauf hinweist, dass das Rauchen im Wald und Feuerstellen am Seeufer gefährlich bzw. bei dieser Hitze sogar verboten sind, erhält man patzige Antworten - und nebenan in Hallstatt brennt eine ganze Bergwand!! Ein weiteres Negativbeispiel ist ein Vorfall an einer Supermarktkasse. Eine sichtlich übermüdete Kassierin lässt das Förderband weiterlaufen, sodass eine Flasche Bier umfällt und zerbricht. Unser Einkauf und auch die Kleidung sind teilweise nass. Anstelle einer Entschuldigung kommt ein rüdes: „Soll nichts Ärgeres passieren!“

Aber es geht auch ganz anders. Wenn man selbst umsichtig mit dem Rad unterwegs ist, kriegt man ein Gespür dafür, wer bewusst provoziert, nicht ausweicht oder wer auf unser beherztes „Danke!“ mit einem freundlichen Lächeln oder einem „Bitte sehr!“ antwortet. Was für ein Unterschied!

Oder während der Sonntagsmesse: Der Mann hinter mir bemerkt meine Suche nach einem Gebetbuch, und sogleich stupst er mich an, überreicht mir freundlich seines und schaut zusammen mit seiner Gattin in ein Gotteslob.

Im Alltag z.B. in der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Freizeit, am Arbeitsplatz und auch in einer christlichen Gemeinde ist es besonders wichtig, ein höfliches „Bitte!“, statt nur zu fordern, ein herzliches „Danke!“ und nicht alles als selbstverständlich zu nehmen und ein bedauerndes „Entschuldigung!“ in der Hoffnung auf versöhnende, vergebende Worte zu pflegen.

Ein wertschätzendes Miteinander von Alt und Jung, Dankbarkeit und Lob für diejenigen, die schon jahrelang ihren Dienst für die Gemeinschaft tun, Erfahrungen älterer Mitarbeiter anzuerkennen, Achtung, Respekt, aber auch Offenheit und Vertrauen gegenüber neuen Wegen sind allemal christlicher als Rechthaberei, Machtstrategien, Durchsetzungswille oder rücksichtslose Einflussnahme. Wenn Papst Franziskus in seinem Schreiben „Amoris Laetitia“ („Die Freude der Liebe“) betont, dass die drei Worte Bitte, Danke und Entschuldigung Schlüsselworte für ein gelingendes Familienleben sind, gilt das wohl auch für das Zusammenleben in einer Pfarrgemeinde.

W. Dirnberger