Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/07

Pilgerreise nach Rom

„Der Abschied von Rom ist schmerzlich und ein Aufreißen der Seele. Es stellt einem alles Ungenügen des irdischen Zustandes vor Augen. Wer scheidet, nach einem Aufenthalt von Tagen oder von Jahren, der scheidet mit dem Bewusstsein, kaum erst begonnen zu haben. Und niemand weiß, ob er der Wiederkehr gewiss sein kann.

Vielleicht liegt auch eine Gnade darin, dass dem, der nur ein flüchtiger Gast sein durfte, das Bild Roms in aller Strahlenkraft des Anfangs erhalten bleibt. In ihm bleibt eine ewigwährende Sehnsucht zurück, die mehr ist als alle Erfüllung, ein Heimweh nach Rom als Abbild jenes höheren Heimkehrverlangens, das in die Brust des Menschen gelegt wurde.

Deutlicher als an jedem anderen Ort spürst du in Rom, dass etwas vom Pilger in uns allen steckt. Möchtest du auch spüren, dass jedem Pilger Heimkehr verheißen ist.“ (Werner Bergengruen)

Aus der Pfarre hatten sich vom 4. bis 7. Juni 2018 19 Personen aufgemacht, um in die ewige Stadt zu pilgern. Eine besondere Motivation war, das Grab des Hl. Paulus, unseres Pfarrpatrons, zu besuchen und dort zu beten. Ist doch der Reliquienstein des Altars im Juli 1979 aus der St. Pauls-Basilika in Rom in unsere Pfarrkirche St. Paul überbracht worden und seither eine bleibende Verbindung zur Ewigen Stadt.

Da Paulus der Überlieferung nach vor den Stadtmauern enthauptet worden war (heute Abtei Tre Fontane), bestattete man seinen Leichnam an der Via Ostiense. Über dem Grab wurde von Kaiser Konstantin im 4. Jh. eine Gedächtniskapelle errichtet, die bald darauf durch eine gewaltige 5-schiffige Basilika ersetzt wurde. Diese Kirche war bis zum Neubau des Petersdomes (1506) die größte Kirche der Christenheit.

Eine folgenreiche Katastrophe geschah in der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1823. Infolge einer Unachtsamkeit bei Reparaturarbeiten am Dach der Basilika brach ein Brand aus, der den größten Teil der Kirche zerstörte. Den darauffolgenden Wiederaufbau unterstützte nicht nur die katholische Welt: Schweden lieferte Holz, Russland den Malachit und König Fuad von Ägypten Alabaster für die Fenster.

In St. Paul kündigte Papst Johannes XXIII bei der Vesper am 25. Jänner 1959 zum Abschluss der ökumenischen Weltgebetswoche für die Einheit der Christen völlig überraschend ein neues Konzil an. Er brachte damit einen Stein ins Rollen, der die Theologie und die Kirche im ausgehenden 20. Jahrhundert entscheidend beeinflusste.

Pilgern bedeutet, aus dem Glauben zu leben, daraus vertrauensvoll in die Zukunft zu schauen und die Gegenwart zu gestalten.

Möge uns die Fürsprache des Völkerapostels Paulus immer begleiten!

Einen schönen Sommer und erholsame Tage wünscht allen Pfarrangehörigen und Gästen
Pfarrer Mag. Anton Hofmarcher