Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/04

Österlich leben

Die Spannung zwischen Karfreitag und Ostermorgen ist gewaltig: in der Bibel, in der Liturgie und in unserem Leben! Diese Spannung, diese Polarität ist ein Grundkennzeichen des Lebens! Leben ereignet sich immer zwischen zwei Polen und das schenkt Lebendigkeit.

Das gesamte Universum, in dem unsere Erde ein ganz winziger Teil ist, ist von Anfang an von dieser Polarität geprägt: Dunkel und Licht, Stille und Ton, Wärme und Kälte, Tag und Nacht, Werden und Vergehen, Leben und Tod und eben auch Karfreitag und Ostermorgen.

Wie das Leben den Tod als Kontrasthintergrund braucht, um leuchten zu können, braucht der Ostermorgen den Karfreitag als Kontrasthintergrund, um erstrahlen zu können. Wir Menschen haben nicht die Freiheit, zu entscheiden, ob wir diese Spannung wollen oder nicht, aber wir haben die Freiheit, diese Spannung zu gestalten!

Ostern gibt dem Karfreitag einen Sinn und gibt Kraft, den Karfreitag zu gestalten. Aber Ostern nimmt den Karfreitag nicht aus unserem Leben heraus. Das ist wohl ein tiefes Geheimnis der Schöpfung insgesamt.

Ostern lädt uns ein, Karfreitag, Leid und Tod aus dem Eck von Sünde und Schuld herauszuholen und damit neue Wege der Gestaltung zu suchen. Unser Universum besteht seit vielen Milliarden Jahren und von Anfang an gab es auch das Vergehen, den Tod. Und vergessen wir eines nicht: Der Tod, also die Begrenztheit unserer Lebenszeit, macht unsere Lebenszeit so kostbar. Der Tod ist die intensivste Einladung an uns, jetzt, bewusst, intensiv und qualitätsvoll zu leben. Der Tod stellt sich also als Kontrasthintergrund zur Verfügung, damit das Leben leuchten und uns einladen kann.

Wir erleben das in Sterbebegleitungen: Wenn die Zeit knapp wird, werden Menschen plötzlich fähig und bereit, das Leben (oft im ganz Kleinen) zu genießen und zu verkosten. Meist kommt dann von Sterbenden der Seufzer: „Hätte ich doch schon früher damit begonnen, bewusster zu leben“. Viele Menschen versäumen das Leben, weil sie immer in der Vergangenheit sind oder ständig in die Zukunft fliehen. Dabei sind wir eingeladen, im JETZT zu leben. Wir brauchen also die Einladung des Karfreitags, um bewusster im Jetzt zu leben und am Ostermorgen anzukommen.

Jesus hat es uns vorgelebt. Er ist dem Karfreitag nicht ausgewichen, sondern hat ihn aus einer tiefen Liebe und Geborgenheit heraus gestaltet. Am Ostermorgen ist das Kreuz leer! Jesus ist voll im Leben! Das ist die Einladung an uns: Stellt euch der Polarität des Lebens, lebt das ganze Leben, denn ihr seid Teil des Göttlichen und Gott ist mit seiner Liebe in euch!

Wir dürfen dankbar sein, in einem Glauben beheimatet zu sein, der ganz auf Leben ausgerichtet und von Lebensbejahung geprägt ist. Lebenserfüllung und Lebensintensität sind so betrachtet nicht nur eine Zusage für das Leben nach dem Tod, sondern ebenso für das Leben vor dem Tod, also für jetzt!

Wir haben es in unserer Pfarrkirche Krems-St. Paul wunderbar ausgedrückt. Wenn wir nach vorne blicken, sehen wir das leere Kreuz, noch dazu in Hoffnungsfarben. Jesus ist nicht mehr auf dem Kreuz, sondern im Leben, das am Schluss sogar den Tod in sich aufnimmt. Hängen wir Jesus nicht wieder hinauf, sondern lassen wir ihn im Leben! Dann kann er uns ständig erinnern und einladen, dass das auch unser Weg ist.

Wir werden in unserem Leben weiterhin auch mit dem Karfreitag konfrontiert sein, das gehört zur Polarität. Aber der auferstandene Jesus erinnert uns daran, dass unser Ziel das Leben ist! Leben wir also! Jetzt und österlich! Der auferstandene Jesus begleitet uns dabei!

Mit ihm sind wir für immer in der göttlichen Liebe geborgen.

Franz Schmatz

Vertiefende Gedanken dazu finden Sie auch im neuesten Buch von Franz Schmatz, das er gemeinsam mit seiner Frau verfasst hat:
„Im Augenblick die Ewigkeit- Mitten im Leben sein“ - erschienen im Effata Verlag.