Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/03

Auf dem Kalvarienberg

Anfang März. Die Hälfte der Fastenzeit liegt schon hinter uns. Wir richten den Blick nach vorne: Die Auferstehung, die wir zu Ostern feiern, ist uns lieber als das Leiden, das Kreuz, der Kreuzweg. Aber: Kreuz und Auferstehung gehören untrennbar zusammen. In unseren Tagen wollen viele eine Auferstehung ohne das Kreuz, eine Erneuerung der Kirche ohne das Kreuz, eine Erlösung des Menschen ohne das Kreuz, eine Befreiung der Menscheit ohne das Kreuz …

Das Kreuz kann nicht ersetzt werden durch Wissen und Technik, durch Revolutionen oder Philosophien, durch Diktaturen und Bildungsvorgänge, durch mehr Freiheiten oder mehr Toleranz … Das Kreuz kann durch nichts ersetzt werden. Es ist der einzige Weg zu jenem Reich Gottes, das sich zu Ostern geoffenbart hat in der Auferstehung Jesu Christi - so Kardinal Franz König in der Osterpredigt 1976 in St. Stephan. Und er setzt fort: In der ganzen westlichen Welt gibt es heute einen starken Zug zur Schmähung des Kreuzes, des Opfers und des Verzichts. Man will Freiheit ohne Verantwortung und ohne Gebot, Genuss ohne Mühsal, Fortschritt ohne Krisen. Man will Wissen ohne Glauben, man will die Einheit der Welt ohne den mühsamen Weg der Bekehrung der Herzen. Man will das Böse aus der Welt schaffen, aber ohne Kreuz und Opfer. Und der Kardinal schließt mit dem Wunsch an die Christen: Euer Leben soll bezeugen, dass die Auferstehung nur durch das Kreuz gelingen kann. Euer Leben soll ein lebendiges Glaubenszeugnis sein, an den Kreuzweg Christi und an seine Auferstehung.

Warum es das Böse gibt, warum Gott es zulässt – diese Frage beschäftigt die Theologen und Philosophen seit Jahrhunderten, und auch wir stellen sie uns immer wieder. Eine befriedigende Antwort gibt es nicht, wohl aber die Erfahrung, dass es das Böse gibt. Daran knüpft der Kardinal wohl an: Es gibt Leid, es gibt das Kreuz – aber es gibt für den Christen auch die Auferstehung – das Licht hinter der Dunkelheit des Kreuzes, wie es das neue Altarbild in Krems-St.Paul deutlich zeigt.

Die Christen vergangener Jahrhunderte wussten dies. Und das Wissen um Kreuz und Auferstehung spiegelt sich auch in der Kunst und den Ausdrucksfomen der Volksfrömmigkeit wider. Ein Beispiel dafür sind die Kalvarienberge, die ab dem 15. Jahrhundert vielerorts im Freien entstanden sind und in mehreren Stationen Darstellungen des Leidens Christi bis zur Kreuzigung als Höhepunkt zeigen. Den Gläubigen wurde und wird damit die Gelegenheit geboten, dem Kreuzweg Christi in Gebet und Meditation zu folgen – wie die Pilger entlang der Via dolorosa in Jerusalem.

Zahreiche Kalvarienberge sind auch bei uns zu finden, die meisten aus der Barockzeit (18.Jhdt.). Einige Beispiele: auf dem Propsteiberg in Zwettl, bei der Kartause in Aggsbach und - besonders eindrucksvoll - beim Stift Heiligenkreuz. Eine interessante Anlage ist im Kamptal zu sehen: Von Schönberg führen elf Kreuzwegstationen nach Norden, von Stiefern vierzehn Stationen nach Süden, wobei die drei letzten Stationen mit der Kreuzigungsgruppe von 1782 beiden Wegen gemeinsam dienen. Eine Gelegenheit für einen Ausflug, vor allem aber zum Nachdenken über Kreuz und Auferstehung.

Dr. Heinz Steiberger

Zitate: Franz Kardinal König – Haus auf festem Grund
Hg. A. Fenzl, R. Földy, Amalthea Verlag 1994