Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/02

Beichte - ein Check fürs Leben

Gerade weil Beichte oft vernachlässigt wird, ist es mir ein Anliegen, mit einem neuen Blick darauf zu schauen, was das Geschenk der Vergebung ausmacht. Werden wir ja im Sakrament von Neuem ganz angenommen.

Sakrament der Annahme

In der Beichte tritt der Mensch ein in den Raum der Barmherzigkeit Gottes und der immer neu geschenkten Vergebung, die zugleich die Bereitschaft zum Neuanfang erschließt.

Der Blick des Beichtenden wird geweitet auf Gott, der die Liebe ist: Genau dort, wo der Mensch schwach ist oder noch reifen muss, will Gott seinen Geist schenken. So erschließt sich der Wegcharakter des Glaubens. Die Beichte soll ein Ort werden, wo sich der Mensch zeigen darf mit seiner Schwäche, mit seinen Mängeln und Defiziten, mit seinen Wunden und Verletzungen. Und über allem steht immer neu die Verheißung: „Du kannst neu anfangen.“ Der heutige Mensch hat eher kein Schuldbewusstsein. Aber er weiß um seine mangelnde Identität, seine Gebrochenheit, seine Verletztheit, das Defizit in so vielen Beziehungen, vor allem den Mangel an Liebe, aber auch an Hoffnung und Glauben.

Im Bußsakrament geht es heute eher um langfristige Prozesse des inneren Wachstums, der Vertiefung von Beziehungen zu den Menschen, zu den Mitmenschen, aber ebenso auch zu Gott, zu einer neuen Entdeckung Gottes des Vaters, der Freundschaft mit Jesus Christus, des Hörens auf die innere Stimme des Heiligen Geistes.

Die Beichte ist der Ort der Befreiung

Ganz konkret: Ich halte mich hin – mit all dem, was schwer ist. Vielleicht sage ich wie Petrus: „Herr, geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch!“ Ich bin gottvergessen. Ich rechne nicht mehr mit IHM. Ich lebe selbstbezogen.

Ich bin müde. Ich habe keine Kraft. Ich habe keinen Glauben. Dieser mein Gott ist weit weg.

Ich bin im Dunkel.

Was sag ich denn in der Beichte?

Ich gebe dem Herrn meine Ängste, meine geistige Armut, den Unglauben, die Lieblosigkeit, die innere Härte, die Verschlossenheit, ich gebe ihm meine verschlossenen Augen, mein verbittertes Herz, meine gelähmten Hände und Beine.

Was tut der Beichtvater?

Er hält mich mit mir aus. Er hält mich Jesus hin, es entsteht unter uns eine Gegenwart. (Mt 18,20)

Was tut der Herr?

Er nimmt mich an. Er nimmt mich auf in sein Haus. Er feiert ein Fest mit mir und mit uns. Er gibt mir ein neues Kleid.

Was ist die Folge?

Das Sakrament ist Neuschöpfung und Neuanfang.

Die Früchte des Sakramentes der Annahme

Die Taufe lebt auf. Die persönliche Berufung wird gestärkt: Eheversprechen wird erneuert, Zölibat und Gelübde bekommen neue Kraft. Sie fördert das Leben in der Gegenwart Gottes. Mein Vorsatz sagt: Ich übernehme Verantwortung für mich selbst, für mein näheres und wei-teres Umfeld, für meine Familie, für die Kirche (Pfarre, Diözese), für die Welt.

Vergebung – ein Zeichen für die Ankunft der Gottesherrschaft

Der alleingelassene Mensch wird wieder aufgerichtet: Heilungen lesen wir in der Bibel. Die Sündenvergebung ist ein österliches Geschenk. Jesus überträgt die Vollmacht zur Vergebung (Joh 20) und die Taufe (Apg 2,37-38) auf seine Jüngerinnen und Jünger. Die Vergebung der Sünden wird erlebt als ein Akt der Befreiung.

Die 40 Tage der Fastenzeit mögen ein Anlass sein, sich wieder mit diesem Thema persönlich auseinanderzusetzen. Ich wünsche Ihnen neue Erfahrungen mit Gottes Barmherzigkeit.

Ihr Pfr. Anton Hofmarcher

Quelle: Vortrag von Dr. Wilfried Hagemann