Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2018/01

Philipp Neri, der fröhliche Heilige

Neapel, Sonnabend, den 26. Mai 1787: Genau betrachtet, möchte man doch wohl gutheißen, dass es so viele Heilige gibt; nun kann jeder Gläubige den seinigen auslesen und mit vollem Vertrauen sich gerade an den wenden, der ihm eigentlich zusagt. Heute war der Tag des meinigen, den ich denn ihm zu Ehren nach seiner Weise und Lehre andächtig-munter beging: Philippus Neri steht in hohem Ansehen und zugleich heiterem Andenken;

man wird erbaut und erfreut, wenn man von ihm und von seiner hohen Gottesfurcht vernimmt, zugleich aber hört man auch von seiner guten Laune sehr viel erzählen ... Das schrieb kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe in seiner Italienischen Reise, in der er dem Heiligen unter der Überschrift Philipp Neri, der humoristische Heilige noch einen ganzen Abschnitt widmete.

Wer war dieser Heilige, der sogar den großen Dichter beeindruckte? Philipp Neri, 1515 in Florenz als Sohn eines Notars geboren, erhielt dort seine erste religiöse Prägung in der Schule der Dominikaner. Deren Leiter, der später auf dem Scheiterhaufen wegen seiner Radikalität hingerichtete Savonarola, beeindruckte ihn sehr. Nach einer Kaufmannslehre bei seinem Onkel nahe dem Kloster Montecassino kam er 1533 nach Rom, wo er in einer aus Florenz stammenden Familie 16 Jahre als Erzieher tätig war. Daneben studierte er Philosophie und Theologie, kümmerte sich fürsorglich um Arme und Kranke und um verwahrloste Kinder. Wichtig waren ihm religiöse Gespräche auf öffentlichen Plätzen, seine natürliche Fröhlichkeit begeisterte die Leute. Zusammen mit seinem Beichtvater gründete er 1548 eine Bruderschaft zur Betreuung von erkrankten Rompilgern. 1551 empfing er die Priesterweihe und schloss sich einer Priestergemeinschaft an, einem Freundeskreis, der sich ohne die strikten Regeln der Mönchsorden gemeinsam um neuartige Methoden der Seelsorge bemühte. Daraus entstand 1564 das Oratorium Philipp Neri. Die Bezeichnung „Oratorium“ wurde von jenem Gebetsraum übernommen, in dem Filippo, wie er auf Italienisch hieß, unermüdlich seiner neuartigen Glaubensverkündigung nachkam: Lieder und Gebete in der Volkssprache, Kinderpredigten, geistliche Diskussionen – immer auch geprägt von seinem heiteren Wesen. (Für „Oratorium“ als musikalische Gattung meist geistlichen Inhaltes übernahm man später die Bezeichnung). Philipp Neri förderte den Messbesuch, die Alltagsfrömmigkeit, das bewusste Erleben des Kirchenjahres und Wallfahrten – z.B. zu den sieben großen Kirchen Roms. Er sah die christliche Lebensweise nicht nur in der Askese und in Abgeschiedenheit verwirklicht. „Es ist leichter, fröhliche Menschen auf dem Weg des Geistes zu führen als schwermütige“ – einer seiner überlieferten Aussprüche. Die Priestergemeinschaft Oratorium Philipp Neri wurde 1575 von Papst Gregor XIII. (1572 – 1585) als Weltpriester-Kongregation der Oratorianer anerkannt, sie besteht bis heute. Bei einigen früheren Päpsten war die unorthodoxe Art der Glaubensverkündigung Neris auf Misstrauen gestoßen.

Wer heute in Rom auf dem bekannten Corso Vittorio Emanuele in Richtung Vatikan geht, kommt kurz vor der Tiber-Überquerung an der Chiesa Nuova (Neue Kirche) und dem Oratorium der Philippiner vorbei, beides Bauten aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. In der Kirche befindet sich das Grab Philipp Neris, der 1595 verstarb und von den Römern schon zu Lebzeiten verehrt wurde. Noch heute gilt er in Rom als Volksheiliger, er ist auch Patron der Ewigen Stadt.

Der Katholischen Reform gab er – im Zeitalter der Reformation und in der Folge des Konzils von Trient - wichtige Impulse. Papst Gregor XV. (1621 - 1623) sprach Philipp Neri 1622 heilig – Philipp war da in „guter Gesellschaft“, nämlich der von Ignatius von Loyola, Franz Xaver und Teresa von Ávila, die gleichzeitig diese Anerkennung erfuhren. Sein Gedenktag ist der 26. Mai.

Was sagt uns der Hl. Philipp Neri heute? Vielleicht eines: Das christliche Leben kann mit Freude und fröhlicher Grundhaltung bereichert werden, was offenbar auch Goethe beeindruckte. Und noch etwas: Auch in der Glaubensverkündigung sind diese Eigenschaften wohl wirksamer als theoretische Ermahnungen und der erhobene Zeigefinger. Heiterer Sinn stärkt das Herz und macht beharrlich im guten Wandel; deshalb sollte der Diener Gottes immer wohlgemut sein (Philipp Neri).

Dr. Heinz Steiberger

Literatur:
Ökumenisches Heiligenlexikon (www.heiligenlexikon.de)
Lexikon für Theologie und Kirche (Stichwort Neri von Gottfried
Bitter), Verlag Herder
Erhard Gorys, Lexikon der Heiligen, dtv
Bilder: Wikimedia Commons