Pfarre Krems St. Paul

Monatsblatt 2019/11

Allerheiligen - Heilge - Heiligenverehrung

Wer je in Rom war, kennt das Pantheon, das besterhaltene antike Gebäude, ein über einem Vorgängerbau unter Kaiser Hadrian (117 - 138) errichteten Tempel. Dieser war - wie der griechische Name sagt - allen Göttern geweiht. Am 13. Mai 610 ereignete sich hier etwas bis dahin Verpöntes: Papst Bonifatius IV. (608 - 615) weihte den dem heidnischen Kult gewidmeten Bau zur Kirche: Zu Ehren der Heiligen Maria und der Märtyrer – Santa Maria ad Martyres.

Angeblich ließ er 28 Wagen mit Gebeinen von Märtyrern aus den Katakomben in die neue Kirche bringen. Diese Kirchweihe war auch der Grundstein für das Fest Allerheiligen, das zunächst alljährlich am 13. Mai, also am Kirchweihtag, gefeiert wurde, bis es Papst Gregor IV. (827 - 844) auf den uns vertrauten 1. November verlegte.

Heilige sind nach dem Verständnis unserer Kirche Menschen, die durch ein beispielhaftes christliches Leben aufgefallen sind, besonders glaubensstark waren und daher als Vorbild wirken können. Das sind nicht nur die namentlich bekannten Männer und Frauen, die seit den ersten christlichen Jahrhunderten als Heilige anerkannt wurden, und jene, die seit dem 10. Jahrhundert vom Papst in einem kirchenrechtlichen Verfahren heiliggesprochen wurden. Es sind auch die unzähligen namenlosen Menschen, die überzeugt christlich gelebt und geglaubt haben. Im neutestamentlichen Brief an die Hebräer werden sie treffend die schon vollendeten Gerechten genannt (Hebr 12, 23).

Die Heiligenverehrung hat ihren Ursprung im frühen Christentum (2. Jh.). Im Gedenken an die Märtyrer und Märtyrerinnen versammelte sich die christliche Gemeinde an ihren Gräbern. Als Heilige verehrt wurden vor allem auch die Apostel, die ja fast alle Märtyrer waren, und Maria, die Mutter Jesu. Kaiser Konstantin gewährte den Christen nach Jahren der Verfolgung die freie Religionsausübung (313). Nun wurden auch andere Personen kultisch verehrt: Asketen, hervorragende Patriarchen und Bischöfe, christliche Herrscher, religiöse Erneuerer. - Doch Heiligenverehrung ist mehr als ihre Geschichte. Seit dem 3. Jh. wurden die Heiligen als Fürbitter bei Gott betrachtet. Übertriebener Heiligenkult im Mittelalter und die Kritik der Reformatoren veranlassten das Konzil von Trient in einer seiner letzten Sitzungen (1563) zu der Aussage, es sei gut und nützlich, sie (die Heiligen) hilfesuchend anzurufen und zu ihrem Gebet, zu ihrer mächtigen Hilfe Zuflucht zu nehmen, um Wohltaten zu erflehen von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus, der allein unser Retter und Erlöser ist. Damit wurde klargestellt, dass die Fürbitte der Heiligen die alleinige Mittlerschaft Jesu nicht in Frage stellt. Das II. Vatikanische Konzil wiederholt die Lehre von Trient in der Kirchenkonstitution und sagt ergänzend: Wie die christliche Gemeinschaft unter den Erdenpilgern uns näher zu Christus bringt, so verbindet auch die Gemeinschaft mit den Heiligen uns mit Christus, von dem als Quelle und Haupt jegliche Gnade und das Leben des Gottesvolkes selbst ausgehen (LG 50). Damit ist der Glaubenssatz der Gemeinschaft der Heiligen genannt, den alle Christen im Apostolischen Glaubensbe-kenntnis bezeugen.

Dr. Heinz Steiberger

Literatur (Stichworte Allerheiligen, Heilige, Heiligenverehrung, Gemeinschaft der Heiligen):
Lexikon für Theologie und Kirche (Herder)
Lexikon der katholischen Dogmatik (Herder)
www.kathpedia.com
Ökumenisches Heiligenlexikon
Rahner/Vorgrimler, Kleines Konzils-Kompendium (Herder)